4 Hauptpfade
Karma-Yoga
Karma-Yoga ist der Yoga der Handlung. Durch eine mit größter Aufmerksamkeit und Wachheit vollzogene Handlung ist der Praktizierende dazu angehalten, dabei ganz im Augenblick, im „Hier und Jetzt“ zu sein. Da der Geist beinahe den ganzen Tag damit beschäftigt ist, über die Vergangenheit oder über zukünftige Geschehen nachzusinnen, wird durch das „Im-Augenblick-Sein“ diese Tendenz überwunden und mit dem Üben ein ständiges „Präsent-Sein“ kultiviert. Durch diese geistige Haltung entsteht ein tiefer innerer Frieden und eine geistige Ruhe, die nach Definition von Patanjali (dem Autor der Yoga-Sutras) ein Hauptanliegen des Yoga ist.
Jede Tätigkeit im Alltag kann so als Mittel zum Zweck geistiger Entspanntheit genutzt werden, da bei dieser Yoga-Form weniger das „Was getan wird“ im Vordergrund der Handlung steht, als vielmehr das „Wie etwas getan wird“.
Jnana-Yoga
Jnana-Yoga wird als geistiger Weg der Erkenntnis verstanden. Durch das Studium und einer Analyse der Arbeitsweise des eigenen Geistes, wird der eigene Wesenskern erforscht und erfahrbar gemacht. Die Methode des Jnana-Yoga charakterisiert sich durch die Fragen: „Warum bin ich hier?“, „Was ist wirklich und was ist unwirklich?“ und „Wer bin ich?“. Der Verstand wird also als Mittel benutzt, um die eigene Natur zu hinterfragen und um die Bindung an die materielle Welt zu verneinen. Die gesamte Erscheinungswelt wird als vergänglich erkannt und der Fokus wird durch das Unterscheidungsvermögen auf das Unvergängliche - das SEIN gerichtet.
Durch wiederholendes Befragen, Analysieren und Meditieren sollen alle fehlerhaften Identifikationen losgelassen und sämtliches Leiden überwunden werden. Doch auch wenn die Erkenntnis mit dem Verstand gedacht werden kann, gilt es, sie durch Meditation zu erfahren.
Bhakti-Yoga
Bhakti-Yoga bezeichnet den Pfad der Hingabe und der universellen Liebe. Gebete, das Singen, die Wiederholung von Gottes Namen und das Erzählen von Geschichten über Gott und Heilige werden im Bhakti-Yoga als Haupttechniken angewandt. Das Wesentliche dabei ist nicht, wer verehrt wird, sondern Das verehrt wird - also das Üben der Hingabe. Dadurch werden die Emotionen von der Ichhaftigkeit (Egozentrik) befreit, Demut entwickelt und das Gefühl der Anbindung an die gewählte Gottheit als Quelle der Inspiration und des innen Friedens kultiviert. Dieses persönliche Gottesbild dient als konzentrativer Fixpunkt und ist letztlich dem Wesen nach gleichzusetzen mit dem eigenen inneren Wesenskern.
Jeder Mensch kann sich Gott so vorstellen und nennen, wie er will. Dabei lässt sich unterscheiden zwischen einem personifizierten Gottesbild (wie z.B. Jesus, Buddha, Krishna usw.) und einer abstrakten Vorstellung (wie z.B. universelles Bewusstsein, SEIN, Licht, TAO, Allah usw.). Im Bhakti-Yoga wird meist ersteres verwendet, da die Hingabe an etwas Bildliches für leichter gehalten wird, als die Hingabe an etwas Abstraktes.
Raja-Yoga
Raja-Yoga ist der Yoga der Geisteskontrolle und wird auch als „Ashtanga-Yoga“ (achtgliedriger Yoga) bezeichnet. Hier wird der Geist systematisch analysiert und es kommen Techniken zur Anwendung, die es ermöglichen, ihn mehr und mehr unter Kontrolle zu bringen. Durch diesen Prozess kommt der Geist in einen Zustand von Klarheit und Reinheit, frei von Ablenkungen und Unruhen. Die geistigen Bewegungen bzw. das permanente Mitgerissenwerden von diesen, wird als Ursache für die Nichtrealisierung des inneren Wesenskerns, der Essenz, gesehen.
Die Anwendung der Techniken und Kenntnisse des Raja-Yoga zielen auf eine geistige Ausgeglichenheit und innere Ruhe, die mit einer stetig wachsenden Präsens (d.h. der Fähigkeit, im „Hier und Jetzt“ zu sein) einhergeht.
Die 8 Glieder des Raja-Yoga:
Yama - Regeln für den Umgang mit anderen
- Ahimsa - Gewaltlosigkeit
- Satya - Wahrhaftigkeit
- Asteya - Nicht-Stehlen
- Brahmacharya - Mäßigung in allen Dingen
- Aparigrahah - Begierdelosigkeit
Niyama - Prinzipien für das persönliche Verhalten
- Saucha - Reinheit (innere und äußere)
- Santosha - Zufriedenheit
- Tapas - intensive Übungspraxis
- Svadhyaya - Selbst-Studium und Studium heiliger Schriften
- Ishvarapranidhana – Hingabe an Gott, das TAO, die Essenz
Asanas - Körperhaltungen
Pranayama - die wissenschaftliche Kunst, den Atem zu beherrschen und die Lebensenergie (Prana) zu lenken.
Pratyahara - das Zurückziehen der Sinne von den Sinnesobjekten.
Dharana - Konzentration, meint die Praxis, die Aufmerksamkeit stetig auf ein äußeres Objekt oder Idee zu heften, ohne durch andere Gedanken davon abzuweichen.
Dhyana - Meditation, die sich aus der Beherrschung von Konzentration ergibt, welche durch ein ununterbrochenes Betrachten gekennzeichnet ist.
Samadhi - der überbewusste Zustand, der über alle Beschreibungen erhaben ist. Der Verstand kann ihn weder fassen, noch beschreiben, da die Prinzipien von Raum, Zeit und Kausalität, von denen der Verstand abhängig ist, transzendiert sind.
Samadhi - sich des Bewusstseins bewusst sein - ist ein Ziel des klassischen Yoga.
Hatha-Yoga
Hatha-Yoga ist ein Unterpfad von Raja-Yoga. Die beiden Silben „Ha“ = Sonne und „Tha“ = Mond lassen in ihrer Zusammenfügung den Ansatz dieser Yogaart erkennen. Die beiden entgegengesetzt fließenden Ströme im menschlichen Energiesystem werden durch die Anwendung von Hatha-Yoga in einen harmonischen Ausgleich bzw. Gleichklang gebracht. Daraus resultiert ein hohes Maß an Konzentrationsvermögen, das den Weg zur Meditation bereitet.
Hatha-Yoga beinhaltet folgende Hauptpraktiken:
- Asanas (Körperhaltungen)
- Pranayama (Atemtechniken)
- Shavasana (Tiefenentspannung)
- Richtige Ernährung und
- Meditation


